Ist vegan gesund?

Ist
vegan
gesund?

Wie du oben sehen kannst, kann vegane Ernährung sowohl ungesund als auch gesund sein – also genau wie bei anderen Ernährungsformen. Veganer*innen, die nicht auf gesundes Essen achten, werden Puddingveganer*innen genannt. Gesund ist vegan dann, wenn die pflanzliche Ernährung vollwertig (bedarfsdeckend) ist, also unter Berücksichtigung der optimalen Nährstoffzufuhr und der Supplementierung von mindestens Vitamin B12. 

Studien besagen, dass vegane, vollwertig pflanzliche Ernährung Diabetes Typ II, Übergewicht, Bluthochdruck und ischämischen Herzkrankheiten vorbeugen und die Blutfettwerte verbessern kann. Mir sind auch Personen begegnet, die erfolgreich ihre Gelenkschmerzen bei Arthritis durch vegane Ernährung lindern konnten. In pflanzlicher Ernährung fehlen sogenannte „schlechte“ Fette. Stattdessen enthält sie viele Sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend, in bestimmten Fällen sogar krebsvorbeugend, blutdrucksenkend und immunsystem-stärkend wirken können und reichlich gesundheitsförderliche Vitamine und Ballaststoffe. Dabei ersetzt eine vegane Lebensweise natürlich keine medizinisch notwendigen Therapien, besonders nicht im Fall von Essstörungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE sagt nun auch endlich, dass eine gut geplante vegane Ernährung für gesunde Erwachsene als gesundheitsfördernd eingeschätzt werden kann. 

Auf albert-schweitzer.de kannst du nachlesen, wie unterschiedliche Ernährungsgesellschaften die vegane Ernährung einschätzen (Stand 2025), s.u. Empfehlungen.

Über die DGE-Einschätzung ist dort weiter zu lesen:
„Für vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Schwangere, Stillende und (Klein-)Kinder spricht die DGE keine Empfehlung für, aber auch keine gegen eine vegane Ernährung aus. Sie weist jedoch darauf hin, dass in vulnerablen Gruppen dafür besonders fundierte Ernährungskenntnisse vorhanden sein sollten und empfiehlt daher eine Ernährungsberatung durch qualifizierte Fachkräfte. Da es bislang kaum Daten zu vegan lebenden Senior*innen gibt, kann die DGE keine Aussage zu dieser Gruppe treffen.“ 

Andere Ernährungsfachgesellschaften äußern sich zum Teil wesentlich positiver zu veganer Ernährung in allen Lebenslagen, wenn sie gut geplant ist.

Einen aktuellen Überblick zum Stand der Wissenschaft  findest du auf den Seiten des Instituts für pflanzenbasierte Ernährung, auf ifpe-giessen.de. Dieses Forschungsinstitut ist unabhängig und auf Spenden angewiesen. (Nur zur Info, falls irgendwer Geld übrig hat). Manchmal können sich veganlebende Personen dort als Studienteilnehmer*innen  anmelden und so dazu beitragen, dass es zukünftig noch aussagekräftigere Studien zur veganen Ernährung gibt.

Außerdem sehr empfehlenswert ein Interview mit Dr. Keller vom IFPE „Vegan 2025: Stand der Wissenschaft“ auf youtube.com.

 

Es gibt seit 1966 laut vorgenanntem Interview inzwischen weit  über 2300 Studien zu veganer Ernährung. Das ist nicht besonders viel, aber auch nicht zu wenig, um belegbare Aussagen zu treffen. Darunter befinden sich einige Kohortenstudien, allerdings noch keine Langzeitstudien mit Teilnehmer*innen, die seit frühester Kindheit vegan leben. 

Die VeChi-Youth-Studie, die bis 2019 mit ca. 400 Kindern zwischen 6 und 18 Jahren zwei Jahre lang durchgeführt wurde und eine weitere Studie, die die Nährstoffversorgung von 1 bis 3 jährigen vegan ernährten Kindern mit der Versorgung von mischköstlich und vegetarisch ernährten verglich besagt, dass es möglich ist, auch Kinder bedarfsdeckend vegan zu ernähren. 
Unbedingt muss aber beachtet werden, dass Heranwachsende einen grundsätzlich höheren Nährstoffbedarf haben und neben allen weiteren essenziellen Nährstoffen besonders auf die Versorgung mit genügend Proteinen, Kalzium, Jod, Vitamin B12, B2 und Eisen geachtet werden muss.
(Albert Schweizer Stiftung: „Vegane Kinder: Neue Studienergebnisse“). Auch auf vechi-youth-studie.de/ergebnisse/ findest du eine Zusammenfassung der Studienergebnisse.

Allen, die ihre Kinder gerne vegan ernähren möchten, z. B. weil diese es wünschen oder aus eigener ethischer Motivation, rate ich, diese Lebensphase von zertifizierten, praktizierenden veganen Ernährungsberater*innen und veganfreundlichen Kinderärzt*innen begleiten zu lassen, Blutwerte regelmäßig zu überprüfen und sich selbst weiter zu bilden. Denn auch in der veganen Schwangerschaft und Stillzeit ist auf einiges zu achten. Hier ein passender Podcasthinweis: „Rein Pflanzlich“, s. u. Empfehlungen: „Vegane Ernährung in sensiblen Lebensphasen“. Hierin berichtet eine auch zu veganer Ernährung beratende Kinderärztin aus ihrer Praxis und werden wirklich hilfreiche Tipps geliefert. Fortbildungen zu pflanzenbasierter Ernährung im Kindesalter gibt es auch für Kinderärzt*innen, z. B. am IFPE Gießen.

Für Menschen, die z. B. an extremen Resorptionsstörungen, Allergien oder Unverträglichkeiten leiden ist manchmal jede Nahrungsaufnahme, unabhängig von der Ernährungsform, kompliziert. Ob vegane Ernährung – wenn gewünscht – möglich oder sogar therapiebegleitend anzuraten ist, hängt vom Einzelfall ab. Im Bedarfsfall ist es sinnvoll, veganfreundliche Ärzt*innen mit ernährungswissenschaftlicher Expertise zu Rate zu ziehen. Unschönerweise ist diese Kombination selten zu finden, denn Ernährungswissenschaft ist im Normalfall höchstens rudimentär Bestandteil der medizinischen Ausbildung.

Es gibt leider auch zahlreiche Influencer und Unternehmen, die deutlich erkennbar Verunsicherung zu ihrem Verkaufsinstrument für ihr eigenes jeweils „helfendes“ Produkt gemacht haben. Nicht selten preisen manche von ihnen rhetorisch meisterhaft hergeleitet mit wenig belegbaren Behauptungen oder aus anekdotischen Beobachtungen fleischbetonte oder sogar karnivore Ernährungsweisen an. Tierethische Sichtweisen gehören deutlich nicht zu deren Argumentation. Mir missfällt daran vor allem, dass nicht mal im Ansatz eine positive Zukunftsvision mit solchen Aussagen zu verbinden ist. 

Trotzdem das verwerflich erscheint, ist natürlich das kritische Hinterfragen grundsätzlich immer richtig und wichtig. Ich halte es dennoch für möglich und notwendig, Tierethik und Gesundheit  gleichzeitig im Fokus zu haben. Pflanzliche Ernährung sollte kontinuierlich weiter erforscht und optimiert werden, damit es immer mehr Menschen leicht fällt, sich für eine tierfreundliche, klimaschonende und gesunde Ernährung zu entscheiden. Dazu gehört jedoch auch, dass mindestens Vitamin B12 Supplemente in ordentlicher Qualität und bestenfalls weitere für möglichst alle Menschen erschwinglich und in allen Regionen verfügbar sein müssen. 

Ich kenne persönlich einigermaßen viele Veganlebende, darunter vegane Mütter, die sich auch in der Schwangerschaft und Stillzeit vollwertig pflanzlich ernährt haben und dazugehörige gesunde fröhliche Kinder. Außerdem Menschen, die seit fast 50 Jahren von Kindheit an vegan leben – neben unzähligen mittelalterlichen, schon Jahrzehnte lang vegan lebenden Menschen in meinem direkten Umfeld. Ich hatte selbst in bisher neun Jahren mit meiner veganen Ernährung nie ein gesundheitliches Problem. Klar ist das keine Studie, aber Lebensrealität extrem vieler Menschen.

ABER auch für Pflanzen sterben Tiere, oder? Ist Landwirtschaft ohne „Nutztiere“ und Kunstdünger denn überhaupt möglich?

>> Von der biozyklisch-veganen Landwirtschaft

Empfehlungen

Stand der wissenschaftlichen Forschung (aus Humanstudien) zu veganer Ernährung auf ifpe-giessen.de

Podcast „Rein pflanzlich“
Folge „Vegane Ernährung in sensiblen Lebensphasen“ (Schwangerschaft, Stillzeit,  Beikost- und Kindesalter)
von und mit Christina Dengg, Ernährungswissenschaftlerin und -beraterin
zu Gast: Caroline Wiedmann, Kinder- und Jugendärztin, Ernährungsmedizin
und weitere spannende Folgen, inkl. mehrere Auseinandersetzungen mit Niko Rittenaus Aussagen,
dabei im Gespräch mit Stefan (Tierethik&Veganismus) und Raffaela Raab

Artikel “ Vegan: Gesund in allen Lebensphasen“ 
Was sagen unterschiedliche Ernährungsfachgesellschaften unterschiedlicher Nationen zu veganer Ernährung
albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/ernaehrungsgesellschaften-vegan-kinder

Artikel „Vegane Kinder: Neue Studienergebnisse“
albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/vegane-kinder-neue-studienergebnisse

Studie zum Vergleich pflanzlicher Fleischalternativen mit echtem Fleisch:
„Eine ProVeg-Untersuchung von 251 Milch- und 422 Fleischalternativen in 11 Ländern ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Pflanzliche Produkte können in Sachen Nährstoffe mit ihren tierischen Pendants inzwischen mithalten und übertreffen sie oft sogar,“
mehr dazu auf proveg.org