Freundlich Wirtschaften

Über
eine
Überlebens-
wirtschaft
nachdenken

Wie könnte eine Wirtschaftsordnung aussehen, die  Klima und Umwelt mit berücksichtigt und zudem noch fair gegenüber allen Menschen und den Tieren ist? 

Umstürze und einfache Lösungen erscheinen mir generell sehr gefährlich und unüberschaubar.
Eine Transformation innerhalb einer freiheitlichen Demokratie, zwischen allen Beteiligten im Einklang mit der Natur und unter Berücksichtigung der Interessen von Tieren ausgehandelt, hin zu einer lebensfreundlichen gerechten Gesellschaft mit Fokus auf solidarisches und ökologisches Wirtschaften entspräche eher meinem Geschmack.

Eine Person, die sich ausführlich mit einer solchen Transformation beschäftigt ist die Ökonomin und Transformations-Forscherin Prof. Dr. Maja Göpel. Sie betreibt mit dem Science-Society-Netzwerk „Mission wertvoll“ einen sehr tollen „Neu denken“ Podcast zu Fragestellungen rund um soziale und ökologische Transformation. Außerdem hat sie bemerkenswerte Bücher zum Thema geschrieben, s. u. Empfehlungen.

Insgesamt wäre jedenfalls schön, wenn die  Marktwirtschaft hierzulande nicht nur „soziale“, sondern mindestens auch „umweltfreundliche“ genannt werden könnte. Und noch besser, wenn sie es dann auch wirklich wäre. Eine Marktwirtschaft und rahmengebende Politik also, die planetare Grenzen respektierte, innerhalb der die verbleibenden Ressourcen gerecht verteilt würden, die statt ausschließlich auf Gewinnorientierung zu setzen, vor allem  solidarische und ökologisch nachhaltige Strukturen förderte.

In dem o. g. Podcast „Wachstum neu denken“ heißt es u. a. , dass es in einer solchen Diskussion sehr auf die Definition des Wohlstandsziels ankomme. Die wichtige Frage laute: Wie können Menschen mit begrenzten Ressourcen gut zusammenleben? Ökonomie und Wissenschaft seien hier gefragt, Antworten und geeignete Instrumente zu finden. So bräuchte eine ökologische gesellschaftliche Transformation die Erkenntnis, dass Schulden in zukunftstechnischer Hinsicht als Investitionen gesehen werden müssen. Außerdem gehe es um Bildungsarbeit, darum komplexe Zusammenhänge zu verstehen und generell um bessere Kommunikation. Außerdem seien Märkte steuerbar, z. B. durch Gemeinwohlökonomie, s. u. Empfehlungen. Es handele sich also um die Frage, was entstehen soll. Eine Frage, zu der sich unbedingt jede(r) eingeladen fühlen sollte, mit zu denken, finde ich. 

Unter dem Menüpunkt „Den Wandel denken“ gehe ich einen Schritt weiter und stelle die Möglichkeiten einer biodiversen und m. M. n.  tierrechtlich optimalen Gesellschaft vor.

Hier einfach ein paar beeindruckende Ansätze zu freundlicherem Wirtschaften, über die es sich mindestens nachzudenken lohnt:

 

Beispiel Ressourcen: Eine freundliche Weise, mit der auch hierzulande immer knapper werdenden Ressource Wasser umzugehen wäre z. B., es als Gemeingut zu behandeln, auf das alle Menschen gleiches Recht haben (und die Verantwortung dafür tragen), anstatt Wasser als Ware nur wenigen Besitzenden zur Verfügung zu stellen. Einen sehr interessanten Radio-Beitrag dazu findest du unten in den Empfehlungen. Dieser Beitrag erzählt auch von dem „Commening“, das selbstorganisiertes und bedürfnisorientiertes gemeinsames Produzieren, Verwalten, Pflegen und Nutzen beschreibt. Die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom hat Grundbedingungen formuliert, damit Commening funktionieren kann – sehr hörens- und lesenswert! 

Gleichermaßen wundervoll sind Projekte wie die solidarische Landwirtschaft, die viele Städter versorgt, unternehmerisches Risiko auf viele Personen verteilt, zum Mitmachen animiert und zum Teil sogar biozyklisch-veganen Anbau betreibt. Solche Projekte existieren bereits und können weiter ausgebaut werden. Zudem haben sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche selbst verwaltete kleine und mittelgroße Kollektivbetriebe in allen möglichen Arbeitsbereichen gegründet, die auf mehr Solidarität, Augenhöhe und Umweltfreundlichkeit setzen. Diese Projekte sind häufig mit großem persönlichem Engagement und hohen ethischen Wertvorstellungen der Mitarbeitenden verbunden und leisten basisdemokratisch oft großartige Pionierarbeit.

Die „Donut-Ökonomie“ der Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth ist ein nachhaltiges Wirtschaftssystem, das einer menschlichen Zivilisation den Rahmen zwischen planetaren und sozialen Grenzen gibt. Sie wird in einigen Städten auf kommunaler Ebene bereits praktiziert. 

Nicht zu vergessen die Degrowth-Bewegung, die sich mit einer Postwachstumsgesellschaft auseinander setzt und einige wichtige Denkansätze zu ökologisch und sozial vorteilhafteren Lebensweisen beschreibt, wie z. B. die Kreislaufwirtschaft auszubauen. Ein Problem dabei: Eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft wird oft mit einem Wirtschaftsabschwung assoziiert, u. a. weil  länger haltende Produkte den Absatz senken würden. Wachstum ist jedoch die Grundvoraussetzung des kapitalistischen Wirtschaftsmodells. Teil der Lösung können natürlich Leasingmodelle sein, also grundsätzlich  das Teilen von teuren ressourenverbrauchenden Geräten.

Da liegt die Frage nahe, ob die Notwendigkeit besteht, vom Wachstum in einen wirtschaftlichen Schrumpfungsprozess zu wechseln, um planetare Grenzen nicht mehr zu überschreiten.

Die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann erzählt in Diskussionsrunden oft, dass unendliches Wachstum die Logik der Krebszelle sei und die wichtige Frage lautete: Wie kann man den Kapitalismus schrumpfen, ohne dass Chaos entsteht? Volkswirt*innen seien hier besonders gefragt, Lösungen zu erarbeiten. Endliche Rohstoffe zu rationieren, könne die organisatorische Aufgabe des Staates sein, der damit eine gerechte Verteilung während eines Schrumpfprozesses gewährleisteten könnte. Für den Fall von Wasserknappheit gäbe es in Deutschland schon eine Verteilungsstrategie.

Gut jedenfalls, wenn nicht erst in solchen katastrophalen Situationen begonnen wird, darüber nachzudenken, was gerechte Verteilung bedeutet. Wie unwesentlich ist dann die Frage, ob es sich um Planwirtschaft handeln könnte. Ich denke, dass hier noch nicht der letzte konstruktive Gedanke gedacht ist. Der Wirtschaft und uns allen endlich konsequent planetare und ethische Grenzen vorzugeben, halte ich jedenfalls für längst überfällig.

In ihrem Buch „Das Ende des Kapitalismus“ bietet Ulrike Herrmann neben einer umfangreichen ökologisch-ökonomischen Ist-Analyse einen erstaunlichen Lösungsansatz. Sie glaubt in ihrem Buch nicht an „grünes Wachstum“, da die Technologie zu teuer sei und stellt einen besonderen Umgang mit einer phasenweise längerfristig schrumpfenden, aber gerecht geregelten Wirtschaft vor. Nach ihrem vorgestellten Konzept müssten wir nicht zurück in die Steinzeit, um ökologisch und sozial verträglich zu leben, sondern würden mit einem Wohlstand vergleichbar mit dem Niveau der 70er Jahre in der Bundesrepublik rechnen können. 

Die Wirtschaftsordnung, die sie beschreibt nennt sie „Überlebenswirtschaft“, da nicht der kapitalistische Wachstumsgedanke, sondern das Überleben der Natur mögliche Wachstumsphasen diktierte. Dieser Gedanke hat mir sehr gefallen.

Zu lesen ist in dem Buch auch, dass gerechte Systeme die stabileren seien. 

Doch was wäre überhaupt gerecht? Ist es gerecht, Tiere auszubeuten? Wie eine ideale gerechte Gesellschaft theoretisch aussieht, erfährst du unter dem nächsten Punkt.

>> Was wäre gerecht?

Zum Thema passende Empfehlungen

Podcast
„Wachstum NEU DENKEN“, mit Achim Truger und Maja Göpel oder
„Marktwirtschaft NEU DENKEN“ mit Rüdiger Bachmann und Maja Göpel auf youtube.com
„Ökologische Sicherheit NEU DENKEN“ mit Jennifer Morgan und Maja Göpel
Super spannend:
„Unternehmen NEU DENKEN“, Maja Göpel spricht mit Lemonaid-Gründer Paul Bethke über Social Business und die Frage, wie Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung zum Kern des Geschäftsmodells machen können.
 

Gemeinwohlökonomie (Quelle: gruenderplattform.de)
– existiert seit 2010, verfolgt vorrangig soziale, gemeinnützige und Umweltschutzziele
– GWÖ-Unternehmen sollen nicht nur an ihrem wirtschaftl. Erfolg interessiert sein, sondern auch Verantwortung für  Natur, Mensch und das Zusammenleben übernehmen. Als Anreiz dafür sieht die GWÖ vor, Unternehmen mit einer hohen Gemeinwohlbilanz zu belohnen – etwa mit Steuervorteilen, günstigen Krediten oder Bevorzugung bei Einkäufen aus öffentlicher Hand.
– Die Säulen der GWÖ sind Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung. [Wenn es nach mir ginge, würde ich eine Säule hinzufügen, nämlich die der beendeten Tierausbeutung.]
– Betriebe können jedoch in einem Punktesystem auch negativ bewertet werden, was dazu führt, dass solche, die sich nicht an diese Ziele halten, höhere Kosten tragen. Umwelt- und klimaschädliches Wirtschaften kann auf diese Weise eingepreist werden. 

Radiobeitrag v. 01.05.2025, DFL-Radio
„Knappe Ressourcen – Wasser ist für alle da“ 

Buch
„Das Ende des Kapitalismus“, Ulrike Herrmann

Video zu den Buchthesen/Vortrag Ulrike Herrmanns
„Die Zukunft des Kapaitalismus (Juni 2026)“, youtube.com
Sehr spannender Vortrag!

Vortrag
„Adorno in 60 Minuten“, Walther Ziegler, youtube.com
unterhaltsame Einführung in die Aussagen der Frankfurter Schule und spannende Einblicke
 in Adornos Kapitalismuskritik und die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Individuum und auf das Ganze …

Doku
Doch aufgepasst! Nicht alles ist nachhaltig und Klimaschutz, was so deklariert ist. Unbedingt sehenswert: 
„Verschollen – Geschäfte mit dem Klimaschutz“, verfügbar in der ardmediathek bis 10.11.27
Dieser Film dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und Landraub im Namen des Klimaschutzes.