Die
Not-
wendigkeit
von
Veränderung
erkennen
Nicht wenige begründen die Notwendigkeit der Tierbefreiung rein tierethisch. Immer mehr Menschen versuchen erfreulicherweise, tierfreundlich und nachhaltig zu leben. Möglicherweise handelt es sich sogar um einen weltweiten Trend. Ob er der sich ebenfalls ausbreitenden Massen-tierhaltung etwas entgegensetzen kann, bleibt jedoch fraglich.
Doch selbst für Personen, die mit Tieren nichts am Hut haben, gibt es Anlass, Gewohntes zu hinterfragen und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Denn neben unvorstellbaren Grausamkeiten, die wir Tieren nicht zumuten müssten, gibt es zahlreiche andere Gründe dafür, ausbeuterisches Wirtschaften zu beenden.
Einer ist, dass permanentes Wirtschaftswachstum nicht unendlich möglich ist – u. a., weil die Ressourcen planetar begrenzt sind. Laut der Planetary Health Diet der EAT Lancet Kommission müsste der Konsum von Tierprodukten hierzulande um mind. 75 % zurückgehen, um dauerhaft planetare Grenzen nicht zu überschreiten.
Nicht ganz klar auszumachen ist dabei, ob eine rein vegane Ernährung oder eine mit extrem geringer Zufuhr an tierlichen Produkten die umweltfreundlichste Alternative wäre. Relevant ist diese oft heiß geführte Diskussion darüber jedoch nicht, denn wir sind von beiden Varianten Lichtjahre entfernt (siehe unten: Empfehlungen/Friederike Schmitz Blog).
Wir vergiften Wasser, Boden und Luft nachhaltig und vernichten uns spätestens durch KI und zu viel Plastik im Hirn selbst. Durch unsere Maßlosigkeit sind laut Weltnaturschutzunion (IUCN) mehr als 48.600 Arten vom Aussterben bedroht (internationale Rote Liste, Stand Ende 2025). Das ist etwa ein Drittel aller derzeit erfassten Arten.
Die tierindustrielle Landwirtschaft trägt maßgeblich zu dieser Misere bei und verursacht zugleich einen Großteil der menschengemachten Treibhausgasemissionen. Nebenbei wirkt sie mit an der Versauerung des Bodens und der Meere und lässt zusammen mit weiteren Industrien das Klima irgendwann unumkehrbar lebensfeindlich werden.
Zusätzlich produziert die Massentierhaltung immer mehr gefährlich resistente Keime und kann vor allem bei ständig wachsender Menschheit futteranbau-, wasserverbrauchs- und platztechnisch nicht mehr entsprechend gesteigert werden, ohne bspw. den Regenwald unwiederbringlich zu zerstören. Denn er wird auch für den Anbau von Tierfutter für die industrielle Massentierhaltung immerzu abgeholzt.
Durch all das droht irgendwann das Erreichen von Kippunkten. Wir wissen es schon lange: Die Auswirkungen auf das Klima sind katastrophal*. Diese Art zu wirtschaften müssen wir verändern, auch weil sie generell mit extrem ungerechten globalen Verteilungsstrukturen einhergeht.
Die riesigen Müllinseln im Ozean zeigen deutich, dass unser Megakonsum in den Industrienationen gerade alles zerstört, was die Erde zu einem lebensfreundlichen Ort macht – eine krasse Schieflage längst existiert, dass also eine Notwendigkeit von Veränderung des Verhaltens und des Wirtschaftens in den Industrienationen sehr deutlich besteht.
Es ist reiner Irrsinn, einfach weiter auf den Ausbau der Massentierhaltung zu setzen – also auf Produktionsmethoden, die vollkommen unnötigerweise knappe Ressourcen verbrauchen, umwelt-zerstörerisch und noch dazu ethisch nicht vertretbar sind.
Dennoch gibt es besonders im Agrarsektor sehr mächtige Profiteure des bestehenden konventionellen „Produktionssystems“, die an einem Umdenken und -gestalten menschen- und tierausbeuterischer Produktionsweisen gar kein Interesse haben.
Dabei wäre das Ende der Massentierhaltung genau jetzt ein sehr wirksamer Korrektur-Hebel in die richtige Richtung.** Doch nicht erst seit der Bundestagswahl 25 kann die Fleischlobby in Deutschland ihre Wünsche diktieren und bleibt Tieren und vielen Menschen absehbar dringende Hilfe versagt. Oben drauf tyrannisieren unberechenbare megareiche Autokraten, mehren sich politisches Chaos und gehören kriegerische Auseinandersetzungen inzwischen zur Tagesordnung.
In diesem Wahnsinn geraten nicht nur Versuchs- und „Nutztiere“ vollkommen aus dem Blickfeld.
Gründe genug, die eigene Vorstellungskraft für radikal freundliche, realistische Möglichkeiten der Zukunft zu öffnen.
Wie aber könnte ein alternatives Wirtschaften idealerweise aussehen, das ausreichend klimafreundlich, zudem menschen- und tierfreundlich ist? Inspirationen zum darüber Nachdenken kannst du unter dem nächsten Menüpunkt finden.
Empfehlungen
Blog: „Vegan für die Umwelt – ein paar Klarstellungen und Komplexitäten“, friederikeschmitz.de/
Sehr lesenswert! Befasst sich mit geläufigen Argumentationen für bzw. gegen tierfreundliche Ernährungsformen aus umwelt-, ressourcenfreundlicher und tierethischer Sicht.
„Ein Ende der Massentierhaltung wäre der beste Schutz“, Kommentar zur Vogelgrippe,
von Britta Fecke, deutschlandfunk.de
Artikel: „Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU und der Tierschutz-Überblick und Entwicklungen“, Provieh/Magazin Ausgabe 2/2024
Hier ist nachzulesen, wie EU-Tierschutzpolitik mit einsetzenden Krisen immer weiter in den Hintergrund gedrängt wurde.
„Maja Göpel über Klimawende und Transformation: Zickzack ist schädlich!“,
MDR Interview vom 13.11.25, unbedingt lesens- und hörenswert!
** Der zu hohe Konsum von Fleisch ist klimaschädlich und ohne eine Änderung der Ernährung das Erreichen des Pariser Klimaschutzziels nicht möglich, so das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wie die Tagesschau (auf instagram) im August 25 berichtet. Auch das Umweltbundesamt schreibt, die Tierhaltung sei eine entscheidende Quelle klimaschädlicher Treibhausgase.
Von Rangar Yogeshwar hörte ich neulich in einem Interview zum Thema Klimawandel, der aufgrund zahlreicher Kriege und daraus folgender anderer Prioritätensetzung in den politischen Hintergrund gerückt ist, dieses sehr passende Bild:
„Wenn sich in einem Haus zwei um ein Zimmer streiten (was sinnbildlich z. B. für den Ukrainekrieg stehen kann), können wir trotzdem nicht den brennenden Dachstuhl ignorieren (Klimawandel).“
* Wikipedia:
„Seit 2007 bezweifelt kein nationales oder internationales wissenschaftliches Gremium mehr die Existenz des menschengemachten Klimawandels. […]
Der aktuelle wissenschaftliche Konsens lautet:
– Das Klima der Erde hat sich seit Ende des 19. Jhd. deutlich erwärmt.
– Menschliche Aktivitäten (hauptsächlich Treibhausgasemissionen) sind die Hauptursache.
– Anhaltende Emissionen werden die Wahrscheinlichkeit und Schwere globaler Effekte erhöhen.
– Menschen und Nationen können individuell und gemeinsam handeln, um das Tempo der globalen Erwärmung zu
verlangsamen und sich gleichzeitig auf den unvermeidlichen Klimawandel und seine Folgen vorzubereiten.“