Tierhaltung
der
Zukunft
Wozu dann noch Tierhaltung?
In meiner Vorstellung gibt es in Zukunft für alle ehemaligen tierlichen Produkte und aus ihnen hergestellten Materialien adäquaten Ersatz, der grundsätzlich tierleidfrei, ressourcen- und umweltschonend hergestellt wird. Auch aus diesem Grund ist Tierhaltung zu ausbeuterischen „Nutzungszwecken“ nicht mehr notwendig. Die Interessen der Tiere, wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht einer Mutter nicht von ihrem Kind getrennt zu werden und das Recht, nicht in engen Räumen eingesperrt leben zu müssen, werden stattdessen grundsätzlich berücksichtigt.
Der Sinn von Tierhaltung in einer freundlichen Zukunft besteht vor allem in der jeweiligen Arterhaltung. Huftiere können beispielsweise weiterhin in kleinen Gruppen Wiesen und Hügel bewohnen und mit bestimmten Pflanzenarten und Insekten biodiversitäts-fördernd in Symbiose leben. In der Anzahl stark reduzierten Haltung haben die Tiere viel mehr Platz, Aufmerksamkeit und Spaß am Leben.
Sie können ihre Zeit damit verbringen, in kleinen überwachten Herden in Ganzjahresbeweidung Naturschutzgebiete zu pflegen, gefördert, z. B. durch an Tier- und Naturschutzmaßnahmen gekoppelte EU Subventionen.
Oder sie können angedockt an einen biozyklisch-veganen landwirtschaftlichen Betrieb, der Arterhaltungs-Subventionen dafür erhalten könnte, ein schönes Leben in ihrer Peergroup führen, aus der sie niemals herausgerissen werden. Für Besucher wäre es ein bereicherndes Erlebnis, sie aus der vom Tier benötigten Entfernung zu beobachten. Die Tierhaltung wäre insgesamt artgerechter möglich und viel seltener als das heute der Fall ist.
Eine Gesellschaft, die mehr Wert auf Tierrechte legte, wäre geprägt durch die Zielsetzung einer gerechten Behandlung von Tieren. Berufsbilder unterschieden sich dadurch erheblich von heutigen. So könnte beispielsweise das Erreichen von echtem Tierwohl in einer Haltung das höchste und einzige Ziel der Haltung sein. Wissenschaft, Verhaltensforschung, Tierpsychologie- und Medizin, aber auch Dienstleistungsbereiche agierten unter vollkommen anderen Rahmenbedingungen ausschließlich in für alle Beteiligten würdevoller und spaßbringender Weise.
Eine solche viel freundlichere Art mit Tieren umzugehen dürfte die Mensch-Tier-Beziehung sehr stark zum Besseren verändern – jedenfalls solange der Umgang respektvoll ist und beidseitig auf Freiwilligkeit beruht.
Der Philosoph Bernd Ladwig findet allerdings, dass die Erfordernis von mehr Tierrechten nicht allein durch Mitgefühl beliebig ausgewählten Tierarten gegenüber recht zu fertigen sei. In einer sehr spannenden „Sternstunde Philosophie“, s. u. argumentiert er, warum Tiere in eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit herrscht, mit einbezogen werden sollten. Die Abschaffung der moralisch erheblichen Verletzungen, die wir Tieren zufügen erfordere neben willkürlicher Tierliebe generell politisches Umdenken.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ein respektvoller Umgang mit Tieren auf Dauer auch zu wesentlich freundlicheren Umgangsformen unter Menschen führen kann.
Denn wer genau hinsieht, stellt fest, dass Tiere genau wie wir zahlreiche Emotionen haben und in Sachen Mitgefühl, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft oft großartige Lehrmeister und vor allem gute Freunde sein können.
Viele Tiere können Trauer, Verlust, Angst, Schmerz, aber auch Freude und Dankbarkeit empfinden, häufig zudem ungerechte Verhaltensweisen erkennen und großen Mut beweisen.
Sie sind liebenswerte Geschöpfe, die es in jedem Fall zu schützen und vor Ausbeutung zu bewahren gilt.
Daran sollten wir uns unablässig gegenseitig erinnern.
Welche Menschen würden in dieser Form wohl gerne mit Tieren leben und welche Voraussetzungen dürften sie mitbringen?
Mehr über die fantastischen Menschen erfährst du hier:
Empfehlungen
„Gerechtigkeit für Tiere“, Interview mit Bernd Ladwig
Sternstunde Philosophie, SRF Kultur, youtube.com
„Leitlinien zu Weidehaltung auf Naturschutzflächen veröffentlicht“
www.sielmann-stiftung.de