Herausfinden
was
gerecht
wäre

Die beste Gerechtigkeitstheorie

Der amerikanische Philosoph John Rawls entwickelte eine  Gerechtigkeitstheorie, mit der sich deutlich zeigen lässt, was gerecht wäre. Es handelt sich dabei allerdings nicht um absolute Festschreibungen von gerechten Merkmalen, sondern um ein Verfahren, mit dem sich die gerechteste Variante, z. B. eines Gesellschaftssystems oder einer Ernährungsweise verdeutlichen lässt. 

Empfehlen möchte ich an dieser Stelle den philosophischen Vortrag von Dr. Walter Ziegler, der diese Theorie sehr anschaulich und unterhaltsam erklärt.
zu finden auf youtube.com „Rawls in 60 Minuten“

Nachstehend versuche ich die Theorie auf Grundlage dieses Videos kurzzufassen.

Rawls geht davon aus, dass

  • Güterknappheit herrscht
  • Menschen weder ausschließlich Altruisten noch Egoisten, aber interessengeleitet sind
  • Menschen alle ein individuelles Lebensziel haben 

Fragestellung ist hier: wie sollen die Früchte der gemeinsamen Arbeit gerecht verteilt werden?

Verfahrensgerechtigkeit – hier: wie finden wir die gerechteste Gesellschaft?

Die Voraussetzung sollte laut John Rawls idealerweise sein, dass alle in der Gesellschaft lebenden Menschen letztlich einen Vertrag schließen, in dem vereinbart wird, wie der moderne Staat und die künftige Gesellschaft aussehen soll. Seiner Meinung nach sollten daher auch alle abstimmen können, ob sie im Kapitalismus oder in einem gerechteren Staat leben wollen. 

Probleme dabei

  • Weil Menschen in bereits vorhandene Gesellschaftssysteme geboren werden, ist eine Abstimmung schwierig.
  • Jeder Mensch versteht etwas Anderes unter Gerechtigkeit.
  • Vor allem werden unterschiedlich begabte Menschen in unterschiedlich privilegierte Familien geboren,
    haben also unterschiedliche Bedürfnisse
Rawls Idee: Der Schleier des Nichtwissens 
 
Dieser Schleier des Nichtwissens ist ein Denkmodell. Er soll den Zustand verdeutlichen, dass ich bevor ich beurteile, was gerecht ist, nicht weiß, mit welchen Begabungen, Stärken oder Schwächen ich in welche finanziellen Verhältnisse des Systems hineingeboren werde. Diesen Zustand des Nichtwissens nennt Rawls den Urzustand, der jeden zwingt, das Wohl der Anderen in Betracht zu ziehen. 
Zu veranschaulichen wäre dieser Urzustand auch mit einer Losziehung, die die Rolle in einem Spiel bestimmt. Vor Spielbeginn ist die Rolle unklar. Gemeint ist jedenfalls einfach ein fairer Zustand, aus dem heraus vollkommen gerecht beurteilt werden kann. 
 
Die im Urzustand definierten Menschen gibt es nicht in Wirklichkeit, aber sie erlauben tatsächlich herauszufinden, was das gerechteste Modell wäre. Denn wer nicht weiß, welche Rolle er/sie spielen wird, hat sicher kein Bedürfnis, unsinnige Vorrechte zu vergeben oder besonderen Gruppen Grundrechte abzusprechen. 
 

Rawls geht davon aus, dass Menschen im Urzustand aus psychologischen Gründen für den schlechtesten Fall das Bestmöglichste wählen würden, sodass in der blödesten Rolle immer noch die möglichst beste Lebensqualität besteht, denn es weiß ja keiner, welche Rolle er/sie einnehmen wird. 

Was wäre gerecht? Hier die Antwort:

Die Menschen im Urzustand würden nach Rechten, Freiheit, Chancengleichheit, Einkommen und Vermögen streben. Sie wählten einen Staat, der Grundrechte garantiert, Schwächere absichert und Privilegierte zur Unterstützung Minderbemittelter verpflichtet. 

Nimmt man die Tiere als mögliche Lebensform in den Schleier des Nichtwissens mit auf*, würden sich die Menschen im Urzustand mindestens für eine vegetarische höchstwahrscheinlich aber für eine vegane Ernährungsform entscheiden. 
Wäre es noch dazu unklar, zu welchem Zeitpunkt man auf die Welt kommt, entschieden sich die Menschen im Urzustand ganz sicher für Generationengerechtigkeit, also eine ökologisch, klimatechnisch orientierte und ressourcenschonende Wirtschaftsordnung.
 

Im nächsten Menüpunkt erfährst du, welche Freiheitsgedanken meinen „Tierfreundlichen Szenarien“ zugrunde liegen.

>> Über die Freiheit 

s. o. *Rawls tat das nicht.

Empfehlungen

Philosophischer Vortrag
„Rawls in 60 Minuten“, Dr, Walter Ziegler auf youtube.com

Interview mit Prof. Dr. Taureck
„Tiere konsequent entnutzen ist eine Anforderung der Gerechtigkeit“ auf vegan.eu

Ein schönes Kinderbuch, das die Elemente einer freiheitlichen Demokratie erklärt
(Ein Junge  in der Antike wird auf die Suche nach gerechten Gesetzen geschickt, um sein Land zu retten.)
„Alexander“, Ferdinand von Schirach